Arne Jacobsen

ArneJacobsen 2016 01 14 10.34.28 JPEhlers 2Gesamtkunstwerk am Südstrand

Die Architektur des dänischen Designers Arne Jacobsen prägt Fehmarn

Arne Emil Jacobsen (1902 bis 1971) gilt als international bedeutendster Architekt und Designer Dänemarks im 20. Jahrhundert. Er war auf den Gebieten Schriftgestaltung, industrielles Design, Möbeldesign sowie Architektur und Städtebau tätig. Auch auf Fehmarn hat er seine Spuren hinterlassen – in Form einer weiträumigen Anlage von Wohn- und Zweckgebäuden am Südstrand. Seitdem prägen insbesondere die drei hoch aufragenden IFA-Türme mit ihrer charakteristischen Silhouette das Bild der Insel. Das heute denkmalgeschützte Gebäude-Ensemble war bereits vor seinem Bau umstritten –

und ist es bis heute geblieben, auch wenn Experten von einem Gesamtkunstwerk sprechen. Ende 2014 ist die Stadt Fehmarn mit der Arne-Jacobsen-Siedlung Burgtiefe in das Städtebau-Förderungsprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ des Bundes und der Länder aufgenommen worden.

 

Von der Malerei zur Architektur

Arne E. Jacobsen wird 1902 in Kopenhagen geboren. Früh beginnt er zu zeichnen und zu malen. Für seinen Wunsch, sich beruflich der Malerei zu widmen, zeigen seine Eltern wenig Begeisterung. Sein Vater meldet ihn an der technischen Schule in Kopenhagen an. Der junge Arne gewinnt Gefallen an dem Studium und erkennt seine Fähigkeiten, die er zwischen 1921 und 1924 stetig ausbaut. In dieser Zeit leistet er für einen Sommer ein Praktikum als Maurer in Mecklenburg-Vorpommern ab und erlernt die deutsche Sprache. 1924 erfolgt die Aufnahme an der Architektenschule in Kopenhagen, an der königlichen Kunstakademie.

 

ArneJacobsen 2016 01 14 10.42.57 JPEhlers 2Geprägt von Strömungen der Zeit

Die Architektur-Ausbildung an den europäischen Schulen folgt in dieser Zeit besonders internationalen Strömungen. Während Jacobsen noch die romantischen Einflüsse des Historismus erfährt und daraus ein hervorragendes Gespür für Proportionen ableiten kann, galt andernorts die Moderne bereits als etabliert. Ziel der Architektenschaft ist ein gesellschaftspolitischer Umbruch: Der Ausbruch aus dem Traditionalismus soll der Gesellschaft zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Die Ausbildung Jacobsens geht einher mit dieser Entwicklung. Anders als viele Kollegen lehnt er zunächst die neue Architektursprache ab und kann erst Ende der 1920er Jahre Begeisterung dafür empfinden. Besonders die Arbeiten der Architekten Erich Mendelsohn, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier prägen ihn.
1929 gründet Jacobsen sein eigenes Büro und baut zunächst vorrangig Einfamilienhäuser. Zunehmend treten rein ästhetische Prinzipien zurück, während der Zweck beginnt, die Form zu bestimmen. Konstruktive, proportionsgebende und raumbildende Aspekte werden zum Hauptthema von Jacobsens Architektur, die deshalb dem internationalen Funktionalismus zugeordnet wird. Dabei ging es vorrangig darum, Gebäude zu entwerfen, die den Menschen durch ihre Funktion dienen und keinem willkürlichen Schönheitsideal folgen.

Anwender – Verfeinerer – Erfinder

Diese Befreiung von der Lehre historistisch geprägter Leitbilder war eine wichtige Leistung der Generation Arne Jacobsens. Aufgrund seiner technischen Ausbildung gelang es ihm zudem, die aufgegriffenen Strömungen handwerklich vollendet im Sinne eines Designprozesses umzusetzen. Dabei war er keinesfalls geistiger Urheber architekturtheoretischer Entwicklungen, sondern vielmehr Anwender, Verfeinerer und zeitweise sicher auch Erfinder.
Besonders öffentliche Gebäude inszeniert Jacobsen oft wie Skulpturen, die er künstlerisch auf Plateaus platziert. Einerseits wird so ein öffentliches Bauwerk in den städtebaulichen Mittelpunkt gerückt, andererseits nutzt Jacobsen die solitäre Wirkung zur Präsentation der baukünstlerischen Gestalt. Zu seinen wichtigsten Bauwerken zählen das Rathaus in Aarhus, die Nationalbank in Kopenhagen, die Wohnbebauung Klampenborg, die Nationalbanken in Kuwait und Bagdad und das SAS-Hotel in Kopenhagen.

ArneJacobsen Hochhauser JPEhlers 2

 

Blick aufs Meer für alle

Das von ihm für Fehmarn entworfene Projekt Strandbad Burgtiefe hat Jacobsen nach der Fertigstellung 1972 nicht mehr gesehen. Das Projekt war einige Jahre zuvor erfolgreich aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen.
Die Kernaussage des Entwurfes: Die Bebauungsstruktur schafft neben den Ferienwohneinheiten öffentliche Freiräume. Herzstück sind die zentral angeordneten öffentlichen Bauwerke, das Haus des Gastes, das Meerwasserwellenbad und das Kurmittelhaus. Die Schwimmhalle liegt außerhalb des Gebäudes und wird sehr exponiert auf einem Plateau hervorgehoben. Wie eine Landmark wirken die aus großer Entfernung sichtbaren Hochhäuser. Die Ferienwohnungen, die sich darin befinden, gewähren einer Vielzahl von Gästen einen gleichwertigen Blick auf die Ostsee.

Insgesamt hatte Jacobsen großen Einfluss auf den Erfolg des dänischen Designs. 1971 starb er in Kopenhagen. Zwei seiner Mitarbeiter, Hans Dissing und Otto Weitling, übernahmen sein heute noch aktives Büro.

Artikel und Fotos von Jan Peter Ehlers

aus dem Buch "Unterwegs auf Fehmarn" von Claudia Czellnik | ISBN 9783860376270

 

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